FEMINISMUS
"Frauen geht's doch längst gut." Warum Feminismus noch immer notwendig ist!
Viele Menschen verbinden Feminismus bis heute mit Männerhass, Übertreibung oder dem Gedanken, Frauen seien inzwischen doch längst gleichberechtigt. Dabei zeigt genau diese Reaktion oft, wie wenig wirklich darüber gesprochen wird, was Frauen weltweit bis heute erleben – gesellschaftlich, körperlich und strukturell.
Denn Feminismus bedeutet nicht, Männer schlecht zu machen. Im Kern geht es darum, sichtbar zu machen, dass Frauen in vielen Bereichen noch immer nicht die gleiche Sicherheit, die gleiche Selbstbestimmung und oft nicht einmal die gleiche körperliche Unversehrtheit haben wie Männer.
Wichtig dabei zu erwähnen ist, das betrifft nicht nur „andere Länder“, sondern es betrifft Frauen weltweit, auch hier in Deutschland.
Ja, während viele Frauen in Deutschland heute studieren, arbeiten und selbstbestimmt leben können, kämpfen Frauen in anderen Teilen der Welt noch immer um grundlegende Rechte über ihren eigenen Körper und ihr eigenes Leben.
In Afghanistan dürfen Frauen teilweise nicht frei studieren, ihre Stimme öffentlich erheben oder ihr Gesicht zeigen. Weltweit erfährt etwa jede dritte Frau körperliche oder sexualisierte Gewalt.
Alle zehn Minuten wird eine Frau oder ein Mädchen von einem Partner, Ex-Partner oder Familienmitglied getötet. Jede fünfte Frau weltweit wird vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet.
Gleichzeitig sind Schwangerschaftsabbrüche in vielen Ländern verboten oder massiv eingeschränkt.
Und trotzdem hören Frauen bis heute Sätze wie: „Aber Feminismus braucht doch keiner mehr.“
Vielleicht liegt das Problem darin, dass viele Menschen Gleichberechtigung nur daran messen, ob Frauen theoretisch dieselben Möglichkeiten haben.
Doch echte Gleichberechtigung zeigt sich nicht nur auf dem Papier, sie zeigt sich darin, wie sicher Frauen sich fühlen können, wie ernst ihre Grenzen genommen werden, wie frei sie Entscheidungen über ihren Körper treffen dürfen, und wie oft sie Angst haben müssen, bewertet, sexualisiert oder bedroht zu werden – einfach, weil sie Frauen sind.
Auch hier in Deutschland erleben Frauen häufiger sexualisierte Gewalt, übernehmen den Großteil unbezahlter Care-Arbeit und werden in vielen Bereichen noch immer anders bewertet als Männer. Viele Frauen wachsen außerdem mit dem Gefühl auf, gleichzeitig stark, erfolgreich, fürsorglich, attraktiv, belastbar, ruhig und perfekt sein zu müssen.
Sie lernen früh, sich anzupassen, zu funktionieren und Erwartungen zu erfüllen und oft beginnt genau dort die Entfremdung – vom eigenen Körper, von den eigenen Grenzen und manchmal sogar von der eigenen Stimme.
Deshalb ist Feminismus für mich kein „Trend“ und auch kein Kampf gegen Männer. Es ist der Versuch, Frauen die gleiche Würde, die gleiche Sicherheit und die gleiche Selbstbestimmung zuzugestehen. Nicht mehr aber eben auch nicht weniger.
Vielleicht braucht es heute gerade deshalb eine neue Form von Feminismus. Einen Feminismus, der Frauen nicht nur gesellschaftlich stärkt, sondern auch die Verbindung zu ihrem eigenen Körper wieder sichtbar macht.
Einen Feminismus, der nicht nur laut gegen Ungerechtigkeit wird, sondern Frauen gleichzeitig daran erinnert, dass ihre Bedürfnisse wichtig sind, ihre Grenzen zählen und ihr Körper ihnen gehört.
Denn solange Frauen weltweit Angst haben müssen, weniger Rechte über ihren eigenen Körper zu haben, aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt zu werden oder Gewalt zu erleben, ist Gleichberechtigung keine Selbstverständlichkeit.
SONDERN NOTWENDIG!
