Veränderung durch Rhythmus!
Zurück in deinen Rhythmus, warum zyklisch leben mein Leben verändert hat.
Wir leben in einer Welt, die über Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte, nach männlichen Maßstäben aufgebaut wurde. Eine Welt, in der Leistung oft linear gedacht wird.
HÖHER. SCHNELLER. WEITER.
Konstant belastbar und immer verfügbar.
Eigenschaften, die häufig mit Stärke verbunden werden. Und damit auch oft mit Männlichkeit.
Männer gelten seit jeher als das starke Geschlecht. Frauen dagegen oft als emotionaler, sensibler oder weniger belastbar.
Auch wenn wir gesellschaftlich schon viel erreicht haben, sind wir von echter Gleichberechtigung noch nicht überall angekommen.
Frauen verdienen im Durchschnitt noch immer weniger. In der Medizin gibt es bis heute einen sogenannten Gender Health Gap. Viele Symptome, Medikamente und Krankheitsbilder wurden jahrzehntelang überwiegend an Männern erforscht.
Frauen wurden in Studien oft ausgeschlossen, unter anderem wegen hormoneller Schwankungen, die Ergebnisse verfälschen könnten.
Das Problem? Unser Körper wurde dadurch lange nicht ausreichend verstanden. Und genau das zieht sich durch viele Lebensbereiche.
Die Gesellschaft hat sich über Jahre in eine Richtung entwickelt, in der Männer gefeiert werden, wenn sie in Actionfilmen blutüberströmt die Welt retten.
Periodenblut dagegen? Wird bis heute oft als eklig empfunden. Mit Scham behaftet und selten offen thematisiert.
Dabei sind es oft wir Frauen und vor allem Mütter, die Tag für Tag die Welt retten. Ob blutend, erschöpft oder überfordert. Ob mit Schlafmangel, Schmerzen oder mentaler Last.
Wir funktionieren.
Wir kümmern uns.
Wir tragen.
Wir halten zusammen.
Still, unbezahlt und oft belächelt oder ungesehen.
Vielleicht wird es Zeit, dass auch wir dafür gefeiert werden.
Um ernst genommen zu werden, um mitzuhalten oder um uns zu beweisen, sind viele Frauen, bewusst oder unbewusst, immer mehr in eine männlich geprägte Energie gerutscht.
Funktionieren, leisten, durchziehen und bloß keine Schwäche zeigen.
Ich kenne das nur zu gut. Auch ich habe jahrelang versucht, jeden Tag gleich zu funktionieren.
Jeden Tag dieselbe Leistung zu bringen. Jeden Tag stark zu sein. Und habe mich dabei selbst immer mehr verloren.
Bei mir hat sich das vor allem in Stimmungsschwankungen gezeigt. Ich war gereizt. Schnell überfordert. Emotionaler als sonst. Manchmal habe ich mich selbst kaum wiedererkannt, mich nicht mehr wie ich selbst gefühlt. Ich dachte lange, mit mir stimmt etwas nicht.
Heute weiß ich: Mein Körper hat einfach mit mir gesprochen. Denn Frauen funktionieren nicht linear. Wir leben in einem Rhythmus.
Unser Zyklus beeinflusst weit mehr als nur unsere Periode. Er beeinflusst unsere Energie, unsere Stimmung, unsere Leistungsfähigkeit, unser Hungergefühl, unsere Belastbarkeit und sogar unser Bedürfnis nach Nähe oder Rückzug.
Grob gesagt durchlaufen wir vier Phasen:
Die Menstruation – oft eher ruhig, nach innen gerichtet, regenerativ.
Die Follikelphase – mehr Energie, Motivation und Tatendrang.
Die Ovulationsphase – häufig Höchstleistung, Strahlkraft und Kommunikation.
Die Lutealphase – Rückzug, Reflexion, Sensibilität und oft ein höheres Ruhebedürfnis.
Natürlich erlebt jede Frau diese Phasen unterschiedlich.
Aber eines ist klar:
Wir können nicht jeden Tag gleich funktionieren und wir müssen es auch nicht. Seitdem ich begonnen habe, meinen Zyklus bewusst in mein Leben einzubeziehen, hat sich unglaublich viel verändert.
Ich plane anders.
Ich trainiere anders.
Ich arbeite anders.
Ich esse bewusster.
Ich gönne mir Pausen, wenn mein Körper sie braucht.
Und das Verrückte ist:
Seitdem schaffe ich oft mehr als vorher. Nicht, weil ich härter arbeite, sondern weil ich intelligenter mit meiner Energie umgehe.
Ich bin ausgeglichener, mehr in meiner Mitte, weniger erschöpft und weniger gereizt. Ich fühle mich wieder wie ich selbst.
Wie eine Frau, die nicht ständig gegen ihren Körper kämpft, sondern im Einklang mit ihm lebt.
Und genau das wünsche ich mir für viel mehr Frauen. Dass wir wieder lernen, unsere Weiblichkeit nicht als Schwäche zu sehen. Sondern als Stärke.
Dass wir verstehen, dass zyklische Schwankungen kein Fehler sind, sondern Natur. Und das jede dieser Phasen etwas ganz Besonderes und Positives mit sich bringt.
Dass wir aufhören, uns mit männlichen Maßstäben zu messen. Und anfangen, unseren eigenen Rhythmus wiederzufinden.
Denn vielleicht geht es gar nicht darum, noch stärker zu werden. Vielleicht geht es darum, wieder weicher und bewusster zu werden. Zurück zu uns und unserem weiblichen Rhythmus.
Vielleicht braucht diese Welt nicht noch mehr Härte. Vielleicht braucht sie einfach mehr weibliche Energie.
